Heute haben wir die Möglichkeit mit jemandem zu sprechen, der bei Robbe & Berking alles hautnah miterlebt. Er sieht die Produktion, kennt die Kunden und verkauft auch persönlich. Herr Oliver Janssen beantwortet uns jetzt all unsere Fragen – ehrlich und aus dem Bauch heraus.

Hallo Herr Janssen, Sie sind der Gebietsrepräsentant von Robbe & Berking, die mittlerweile beste Silbermanufaktur der Welt. Erzählen Sie uns doch bitte die Gründungsgeschichte Ihres Unternehmens.

Robbe & Berking wurde 1874 von Nikolaus Christoph Robbe und Robert Berking in Flensburg gegründet. Bis zur Jahrtausendwende ins 20. Jahrhundert haben ausschließlich Familienmitglieder für das Unternehmen gearbeitet. Erst danach wurden die ersten Gesellen eingestellt.


Seit dem 
Aufbau der kleinen Manufaktur im Jahr 1874, haben Sie sich von der Flensburger Werkstatt gewaltig weiterentwickelt. Erklären Sie mir bitte, wie genau dieser enorme Aufschwung kam.

Die Gründer haben schon 1874 den Grundsatz formuliert: „Mache mögen es billiger machen, aber niemand darf es besser machen als Robbe & Berking“. Von Beginn an haben wir also auf Qualität und unsere Handwerkskunst gesetzt. Die Entwicklung hin zum Weltmarktführer bei echtsilbernen und versilberten Bestecken setzte aber vor allen Dingen mit dem Eintritt von Robert Berking in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein. Herr Berking hat nicht nur an den Traditionen festgehalten, sondern das Unternehmen auch deutlich weiterentwickelt. Zudem hat er mit seinen Besteckentwürfen eine ganze Epoche geprägt. Noch heute sind viele dieser Entwürfe bei den Kunden unseres Hauses äußerst beliebt. Darüber hinaus hat man seine Bodenständigkeit nicht verloren, denn bis heute ist Robbe & Berking ein Familienunternehmen, was die Unternehmenskultur und den Umgang in der Manufaktur sowie mit den Kunden des Hauses prägt.


Bis heute ist Robbe & Berking ein Familienunternehmen. Wie schafft man es in der heutigen Welt solch ein großes Unternehmen in einer Familie zu behalten?

Hierzu sind natürlich viele Faktoren notwendig, vor allen Dingen braucht man eine Person, die die Liebe zum Unternehmen und Gespür für den Zeitgeist selbst hat – und in der Lage ist, diese Werte auch an die nächste Generation weiterzugeben.


Noch heute sind Sie in Flensburg angesiedelt und es wird wirklich alles in feinster Handarbeit gefertigt. Wie lange dauert es bis ein Löffel fertig ist und wie lange müssen die Kunden da auf Ihre Bestellungen warten?

Die Lieferzeit muß sehr genau von der Produktionszeit unterschieden werden. In der Regel sind wir in der Lage jedes Besteckteil sofort zu versenden. Robbe & Berking fertigt nicht auftragsbezogen sondern hält ein gut sortiertes Lager vor. Dieses ist ein wichtiger Teil unseres Services – obwohl in unserer Manufaktur jedes Besteckteil durch 80-100 meisterliche Hände läuft, bis es die für Robbe & Berking bekannten Qualitätsansprüche erfüllt und an unser Lager gegeben werden darf.


Halten Sie sich bis heute an die Technik von Herrn Robbe oder haben Sie diese modernisiert?

Die Gründer würden sich noch heute in unserer Manufaktur zurechtfinden, denn an den grundsätzlichen Produktionsmethoden hat sich seit 1874 nicht viel geändert. Dennoch halten wir unsere Manufaktur stets auf dem neuesten Stand. Insbesondere hat sich im Laufe der Zeit im Werkzeugbau und der Galvanik (Versilberung) einiges getan.


Erklären Sie mir doch bitte, wie genau bei Ihnen ein Besteckteil aufgebaut ist, wenn man dieses versilbert.

Vom Prinzip her erfolgt dieses wie bei der Fertigung eines Besteckteils aus Sterling-Silber. Aber genau hier liegt der Teufel im Detail: während die meisten anderen Hersteller als Basis einfach ein Edelstahlbesteckteil nehmen und dieses versilbern, ist bei Robbe & Berking die Basis für ein versilbertes Besteck Alpaka; eine Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel, die auch Neusilber genannt wird – und das aus gutem Grund: Während Edelstahl blau-grau und damit kalt glänzt – so glänzt Alpaka eben nahezu so wie Silber und ermöglicht wesentlich feinere Gravuren als bei versilberten Bestecken mit Stahlkern.


Silber ist ein Edelmetall und auch vergoldete Löffel bieten Sie an. Bitte sagen Sie mir, was Sie dazu sagen, wenn viele Leute das Besteck nicht als Essensgegenstände sehen, sondern eher als Wertanlage.

In erster Linie ist ein Löffel – oder eine Gabel ein Gebrauchsgegenstand, den man täglich benutzen sollte. Es ist nichts abstraktes, wie z. B. eine Aktie. Über einen langen Zeitraum hinweg betrachtet, kann ein echtsilbernes Besteck aber auch eine Wertanlage sein. Gleichzeitig sehe ich unsere Silberbestecke vor allem auch als Genussanlage, da man mit diesen deutlich bewusster isst.


Sie kennen sich doch am besten aus, wie ist es mit den allgemein vorherrschenden Vorurteilen gegen Silberbesteck – das ständige Putzen, das schwarz werden etc.?

Silber, das nicht benutzt wird, ärgert sich schwarz! Das einzige was Silber anlaufen lässt ist Schwefel. Dieser setzt sich in die mikroskopisch kleinen Poren des Silbers und in Verbindung mit Sauerstoff, fängt das Silber an zu oxidieren. Die tägliche Benutzung des Besteckes verhindert diesen chemischen Prozess. Je nach Umgebung sollte Silberbesteck ein- bis dreimal jährlich gepflegt werden, um weiterhin in seinem schönen warmen Glanz zu erstrahlen.


Für welche Ziele wird heutzutage noch das Besteck, die Accessoires und ihr allgemeines Silbersortiment gekauft?

Die meisten Verbraucher entscheiden sich heute bewusst für ein Silberbesteck und benutzen und genießen es täglich. Häufig wird es zu Hochzeiten verschenkt – oder zu anderen Jubiläen.


Wo geht Ihrer Meinung nach der Trend des Silberbestecks hin?

Silber unterliegt kaum modischen Trends. Da es so lange überdauert ist Silberbesteck eher etwas zeitlos. Gleichwohl gibt es zur Zeit eher den Trend zu den geraden, eher puristischen Formen.



Der Silberpreis ist in den letzten Jahren enorm gestiegen, genauso wie Gold. Können Sie Ihre Preise dabei noch konstant halten?

Wir werden in diesem Jahr – erstmals seit vier Jahren – unsere Preise erhöhen müssen, allerdings moderat.


Wenn man sich die Silberpreise im Vergleich zu den Preisen für ein Besteckset anschaut – jetzt ganz ehrlich, so viel Silber kann ein Set doch gar nicht enthalten, oder? Darf ich Sie bitten, mir zu erklären, was Ihre Preise rechtfertigt.

Um einen Gegenstand aus Silber zu fertigen, wird ja nicht nur Silber benötigt. In erster Linie brauche ich Menschen die es veredeln – und damit sie dazu in der Lage sind, benötigt man zum Beispiel Maschinen. Kurz gesagt das Endprodukt ist ein silberner Löffel, aber damit er dazu werden kann bedarf es der hohen Kunst unserer Mitarbeiter. Dieses ermöglicht uns die Fertigung anspruchsvollster und sehr zeitaufwendiger Formen und Details. Dennoch zeichnet sich Robbe & Berking durch ein sehr kundenorientiertes Preis-Leistungsverhältnis aus.


Robbe & Berking ist momentan der Weltmarktführer. Sagen Sie uns bitte in einem kurzen Satz, warum das so ist. Was hebt Sie von den anderen ab?

In unserem Hause gibt es einen wichtigen Grundsatz: „Wir geben uns in allem ein bisschen mehr Mühe.“ Wir fertigen alle silbernen und versilberten Produkte selbst und das seit der Gründung im Jahre 1874 in Deutschland, haben also von Anfang bis Ende alles in unserer eigenen Hand. Robbe & Berking beschäftigt sich auch fast ausschließlich mit dem Material Silber, so sind wir über Jahrzehnte hinweg zu Spezialisten geworden.


Wo geht Robbe & Berking in den nächsten Jahren hin? Was denken Sie, wird sich Ihre Firma verändern oder sind Sie schon dort angekommen, wo Sie immer hin wollten?

Der Weg ist das Ziel! Natürlich hat auch ein Unternehmen Ziele, aber nach dem Erreichen eines Zieles, wartet schon das nächste. Darüber hinaus lehrt uns die Geschichte, dass sich die Welt ständig verändert, demnach ist es unsere Aufgabe, diesen Veränderungen Rechnung zu tragen: Ich darf Ihnen ein Beispiel nennen: Vor über 25 Jahren haben wir das Muster „Alta“ von Wilfried Moll auf den Markt gebracht. Viele haben gedacht – und einige haben es sogar ausgesprochen, dass wir das nicht „überleben“ werden. Heute ist Alta eines unserer absoluten Erfolgsmodelle, so erfolgreich, dass wir in diese Richtung, gemeinsam mit Herrn Moll, weiter gearbeitet haben: die Ergebnisse heißen Riva und Sphinx. Vielleicht darf man sogar so weit gehen, dass auf unserer Fahne stehen könnte, dass Robbe & Berking das Silber in die Moderne geführt hat.


Deutliche Unterschiede gibt es auch zwischen dem europäischem und dem osteuropäischen Markt. Was sagen Ihre Erfahrungen, wie verschieden sind die Einkaufstendenzen auf Ihrem Markt?

Nach dem hier- und jetzt beurteilt, bevorzugt der Osteuropäische Markt traditioneller Dekore, wobei wir hier teilweise einen Wandel hin zu puristischen Dekoren erkennen. Die Nordeuropäer setzen eher auf die moderne Schlichtheit. Aber selbst innerhalb der jeweiligen Länder gibt es große Unterschiede, so dass man eigentlich kaum sagen kann, dass jedes Land einen typischen Geschmack hätte. Menschen sind halt Individualisten – und Robbe & Berking ist darauf vorbereitet, da wir in der Lage sind jedes produzierte Meisterwerk noch einmal zu individualisieren.


Der Onlineshop www.BREGNER.com beschäftigt sich mit dem Vertrieb von Luxusgütern in die gesamte Welt. Für eine Vielzahl unserer Kunden ist Luxus etwas Außergewöhnliches, für andere etwas Selbstverständliches. Wie sehen Sie Luxus an?

Luxus liegt immer im Auge des Betrachters. Er ist so individuell wie der Mensch selbst.


Luxus ist ein Wort, das bei der Anzahl der Menschen, die sich damit beschäftigen, auch sehr viele verschiedene Bedeutungen hat. Nun frage ich Sie, was genau Luxus für Sie ist.

Für mich ist vor allem Zeit Luxus und natürlich Glück.


Zum Abschluss, ganz zwischen uns und den anderen Lesern, viele Bestecksets muss ein Mensch haben und wie viele haben Sie?

Schon bevor ich zu Robbe & Berking kam, habe ich Alta gesammelt. Mittlerweile nenne ich fünf verschiedene Silberbestecke mein Eigen (wenn auch nicht alle für 12 Personen). Ich bin aber auch kein Maßstab. Im Grunde genommen reicht ein Besteck, wenn es das Richtige ist!


Vielen Dank Herr Janssen, es war mir eine Freude. Das Team BREGNER wünscht Ihnen noch alles Gute für die Zukunft, möge es so weitergehen wie vorher.